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75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus: erinnern und handeln

LV-Beschluss 7-053/20

75 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus erinnern wir an all diejenigen, die in den Konzentrationslagern, unter Zwangsarbeit, Hunger, Folter und Haft, auf der Flucht und im Exil ihr Leben ließen – ermordet durch eine rassistische Ideologie, die insbesondere die systematische Vernichtung der Jüdinnen und Juden forderte und brutal durchsetzte. Auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunist*innen, Sozialdemokrat*innen, Menschen mit Behinderungen, Obdachlose, Kranke, Zeugen Jehovas und viele andere Menschen wurden im besetzten Europa verfolgt, ermordet und Opfer von Besatzung und Kriegsverbrechen.

Wir danken und ehren alle diejenigen, die Widerstand leisteten, sich auflehnten, nicht verstummten und Verfolgten halfen. Und wir danken den alliierten Befreiern und besonders der Roten Armee, die auch Berlin vom Faschismus befreiten. Rassismus, Antisemitismus, völkische Ideologie, die Abneigung gegen die erste Demokratie der Weimarer Republik – Vorurteile, Intoleranz waren breit in der Gesellschaft verankert. Viele Menschen beteiligten und beförderten den Aufstieg rechter Positionen im alltäglichen Leben, in der Politik und befürworteten den Vernichtungskrieg der Nazis. Seien wir uns aus diesem Grund bewusst, dass diese Befreiung nicht aus eigenen Kräften geschehen ist. Aus diesem Grund ist im 75. Jahr der 8. Mai 2020 ein Feiertag.

Darüber hinaus müssen wir weiterhin kritisch auf die Aufarbeitung und juristische Verfolgung der Täter*innen und ihrer Verbrechen schauen. Viele Täter*innen konnten unbehelligt ihre Leben weiterführen, viele Unternehmen haben bis heute ihre eigene Geschichte nicht aufgearbeitet, Opfergruppen sind bis heute nicht anerkannt und entschädigt. Daher nehmen wir uns zur Aufgabe, auch weiterhin wachsam zu bleiben, mit den Opferverbänden eine gemeinsame Form der Erinnerungskultur zu erarbeiten, die auch 75 Jahre nach der Befreiung gemeinsam aller Opfer gedenkt, europaweit gemeinsam an die Verbrechen der Nazis erinnert und für die Gegenwart und Zukunft mahnt.

Wir danken daher den zivilgesellschaftlichen Gruppen, Akteur*innen und Projekten für ihren unnachgiebigen Willen und Kampf um die Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte und für das Drängen und die Initiativen zur Schaffung von Erinnerungsorten, die uns heute in dieser Stadt täglich an die Menschen erinnern, die Opfer der nazistischen Ideologie und des Größenwahns wurden.

Erinnern wir heute auch an diese Verbrechen, um uns gewahr zu werden, dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Hass gegen Obdach- und Erwerbslose, Antiziganismus und muslimischer Rassismus heute ebenso in unserer Gesellschaft verankert sind. Vergessen wir nicht die Namen der Opfer von Hanau, Halle, der NSU-Morde oder der Anschläge von Rostock-Lichtenhagen – denn es sind unsere Nachbar*innen, die Opfer rechter Gewalt wurden und werden. Ziehen wir keinen Schlussstrich unter unsere Geschichte.

Dazu gehört für uns auch der Kampf an der Seite der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA) um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Denn Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben!

Nehmen wir daher den Schwur von Buchenwald, der in seiner Aktualität nicht verloren hat, ernst und zum Anlass unserer politischen Praxis: »Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«

 

Der 8. Mai ist in diesem Jahr in Berlin ein Feiertag. Das Gedenken wird in diesem Jahr anders sein. Wir bitten Euch: Macht Spaziergänge zu Orten des Erinnerns und haltet dort inne. Lasst uns gemeinsam die Befreierinnen und Befreier vom Faschismus ehren und das Gedenken sichtbar machen. Erzählt es weiter, schickt uns gerne Eure Fotos an den Gedenkorten und postet es in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #75JahreBefreiung.

Gemeinsam mit Euch setzten wir ein Zeichen: Für Frieden und Demokratie. Für Antifaschismus.

 


Beschlussfassung: einstimmig