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XMPP – eine Alternative zu Telegram, WhatsApp & Co!

Am 3. Februar 2021 hatten wir Daniel Gultsch, Entwickler bei Conversations.im bei uns zu Gast. In seinem Vortrag hat er eine allgemeinverständliche Einführung in die XMPP-Welt gegeben. Interessant war es auch für Jene, die XMPP früher vielleicht schon mal genutzt hatten, denn in den vergangenen Jahren hat sich so viel getan, dass man heute davon sprechen kann, dass XMPP eine echte Alternative zu Telegram, WhatsApp & Co darstellt. Es schloss sich eine spannende Diskussion an, bei der es neben ausstehenden Herausforderungen auch um die Frage ging, auf welcher Grundlage freie, dezentral betriebene Software gefördert werden kann, um deren Verbreitung und Weiterentwicklung zu unterstützen.

Die Veranstaltung kann hier angeschaut werden:

Auf Peertube: https://video.ploud.fr/videos/watch/7e6876ed-7d4b-478d-a850-25dc84dcaf96

Auf Youtube: [folgt später]

 

Was man für XMPP braucht: 1) ein Konto, das auf einem Server registriert ist und 2) einen Client (»App«) um loslegen zu können. Das ist nicht viel anders als bei Email, wo man ebenso ein Konto auf einem Server anlegen muss und die Emails dann über eine bestimmte App bezieht. Also auch für Max Mustermann nix neues. Es gibt, ebenso wie bei Email, sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Möglichkeiten, XMPP zu nutzen. Aktuell empfehlen wir für Android Conversations.im; für Linux Dino.im, für Desktop Gajim und für iOS Siskin.im und Monal.im – probiert es einfach mal aus :) Ein Konto könnt ihr direkt bei diesen Anbietern registrieren, oder einen eigenen Server auswählen, der euch vertrauenswürdig ist.

Als LAG Netzpolitik halten wir XMPP trotz oder gerade wegen des gereiften Alters für eine vielversprechende Messaging-Lösung, die einige wichtige Vorzüge aufweist:

  1. Ausreichende Usability/Funktionalität für alle Betriebssysteme verfügbar, inklusive Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit der Qualität des Signal-Protokolls (bei Bedarf auch für Gruppenchats)
  2. Dezentrale Architektur und interoperabel ausgelegt. Es kann daher auf eigenen Servern betrieben werden, es gibt viele verschiedene Clients zur Auswahl und sogar ein Umziehen eines Kontos auf einen anderen Server ist möglich. Hier besteht also freie Wahl, was Unabhängigkeit von bestimmten Anbietern und Infrastrukturen ermöglicht. Diesen herausragenden Vorteil hat zwar auch das Matrix-Protokoll, allerdings sind Matrix-Server vergleichsweise ressourcenintensiv, was der praktisch gelebten Unabhängigkeit durch Dezentralität, aber auch ökologischen Aspekten im Wege steht. XMPP hingegen ist ebenso wie die XMPP-Clients eine schlanke Lösung, die explizit und effizient genau das tut, was sie im Kern eigentlich soll: Textnachrichten augenblicklich (»instant«) versenden und empfangen.
  3. Keine zwingende Telefonnummer-Bindung. Sogar die Konto-ID kann bei Bedarf unterdrückt werden.

Als Aufgaben für die weitere Entwicklung wurden (ähnlich wie bei Email) eine wirksame Vermeidung von Spam und eine noch zu optimierende Funktionalität für iOS-Anwender ausgemacht. Der einzige festgestellte prinzipbedingte Kritikpunkt bei XMPP ist, dass auch bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verschiedene Metadaten anfallen, die »unterwegs« abgefangen werden könnten (was bei anderen Messengern potentiell jedoch auch passiert). Dieses Problem kann in der praktischen Auswirkung durch die Nutzung eigener Server verringert werden.

Tips zum weiterlesen: Übersichten über verfügbare XMPP-Clients und deren Funktionen, finden sich untere anderem hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_XMPP-Clients

https://media.kuketz.de/blog/messenger-matrix/messenger-matrix.html

 

Einen Einstieg in die Welt der freien Messenger findet sich unter anderem hier:

https://joinjabber.org/

https://www.freie-messenger.de/

https://www.kuketz-blog.de/messenger-matrix-uebersicht-vergleich-der-aktuellen-messenger/

 

Als LAG werden wir uns auch dafür einsetzen, dass politische Grundlagen geschaffen werden, die Verbreitung freier Messenger zu fördern. Allgemein ist die Anzahl an OpenSpource-Entwicklungen in Deutschland im internationalen Maßstab herausragend, weshalb der bisher recht beschränkte Fördertopf »Prototype Fund« als deutlich zu klein einzuschätzen ist. Dieser sollte ganz erheblich mit Mitteln aufgestockt und ggf. auch konzeptionell breiter aufgestellt werden. Eine weitere politische Stoßrichtung könnte sein, dass seitens der öffentlichen Hand – seien es Lehrer:innen, Wohnungsverwaltungen, die öff-rechtl. Medien usw. Anreize geschaffen werden, freie Software wie XMPP für Gruppen und individuelle Chats zu realisieren. Auch darüber ließe sich eine verbesserte Finanzierungsgrundlage für Entwickler:innen und Betreiber:innen von XMPP umsetzen, ebenso wie Anreize zu einer breiten Nutzung. Dies wäre auch bestandteil einer linken Smart City-Strategie – Facebook, WhatsApp, Telegram & Co. könnten auf diese Weise in kleinen, aber realistischen Schritten aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt werden.