Welch grandioser Einstieg

Franziska Brychcy
Franziska Brychcy

Rede von Franziska Brychcy


[ Manuskript – es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe alle,

auf unserem letzten Landesparteitag im April dachten wir noch, wir setzen uns ein ambitioniertes Ziel, wenn wir das kostenlose Schüler*innenticket für alle fordern. – Wir hätten uns doch nie im Leben träumen lassen, dass das noch in diesem Jahr beschlossen wird! Und jetzt wird Mobilität für alle Schüler*innen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern – tatsächlich Wirklichkeit. Welch grandioser Einstieg in den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Berlin!

Trotz dieses Erfolges wird an uns die Erwartung gestellt, dass wir die strukturellen Probleme in der Stadt in Angriff nehmen. Im Bildungsbereich wünschen sich die Schüler*innen, Eltern und die pädagogischen Teams vor allem ausreichend Plätze, mehr Zeit, gute Arbeitsbedingungen, genug Raum und vor allem mehr Wertschätzung, u. a. durch eine angemessene Bezahlung der Beschäftigten.
Unglücklicherweise passen diese grundlegenden bildungspolitischen Bedarfe nicht mit kurzfristigen Handlungslogiken in der Politik zusammen, die sich auf Wahlzyklen oder gar Umfrageergebnisse konzentrieren.

Die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit oder die Kostenfreiheit des Hortes in Klasse 1 und 2 waren nicht unsere ersten Prioritäten – weil es hier bereits die Kostenbefreiung für Familien mit geringen Einkommen bzw. eine Einkommensstaffelung gab.
Die brennenden Zukunftsfragen, z. B. warum die Kinder in der Schule aktuell immer noch überwiegend mit Büchern und Heften lernen, während sie daheim täglich vor allem digitale Medien nutzen oder wie wir trotz Erzieher*innenmangel qualitativ hochwertige Ganztagsangebote hinbekommen statt möglichst viele Kinder mit überforderten Erzieher*innen in viel zu kleine Räume zu stecken – diese Fragen haben wir bisher nicht gelöst.

Genau das sind aber die neuralgischen Punkte, an denen wir als R2G gemessen werden. Deswegen müssen wir dringend umsteuern: erst Qualitätsverbesserung – dann Kostenfreiheit!
Bezüglich der Sozial- und Erziehungsberufe müssen wir im kommenden Jahr gemeinsam mit den Beschäftigten kämpfen bis zum Äußersten, um in den TvL-Verhandlungen mindestens die Angleichung der Löhne an Brandenburg zu erstreiten – und das heißt auch: Streik in Kitas, Horten, Schulstationen usw. - Da kommt es entscheidend auf uns an, um Druck zu machen für die Verhandlungen des Finanzsenators mit den anderen Bundesländern und ich hoffe, ihr seid mit dabei! Als ersten Schritt könntet ihr z. B. morgen den Antrag A25 der LAG Bildung und Schule zu genau diesem Thema unterstützen, damit vom Landesparteitag der LINKEN. Berlin ein starkes Signal an die Beschäftigten und den Verhandlungsführer Kollatz ausgeht!

Dies ist meine vorerst letzte Rede als stellvertretende Landesvorsitzende. Die 4 Jahre haben mir Spaß gemacht und waren mitunter auch eine echte Herausforderung. Ich habe den Eindruck, dass wir – wenn wir auch nicht immer einer Meinung waren - ein ganzes Stück mehr gegenseitiges Verständnis aufbringen können als zuvor und das ist in diesen bewegten Zeiten doch ein wahrer Schatz, das Verbindende zu suchen und das Trennende solidarisch auszuhalten.

Dem neuen Landesvorstandsteam wünsche ich viel Erfolg& immer einen kritischen Geist!
Wir sehen uns wieder! Danke!

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