Hans Kromrey
Kandidatur für den Landesvorstand
Liebe Genossinnen und Genossen,
das phänomenale berlinweite Ergebnis der Bundestagswahl von fast 20 % bei den Berliner Wahlen 2026 zu wiederholen oder gar noch zu übertreffen, wird kein Selbstläufer. Dafür müssen wir als Partei jetzt die richtigen Schritte gehen. Dazu zählt für mich insbesondere, dass wir erstens unsere Mitgliederarbeit stärken, um als sozialistische Mitgliederpartei kollektive Stärke zu entwickeln. Zweitens müssen wir uns durch Haustürgespräche und Sozialberatungen auch jenseits von Wahlkämpfen weiterhin politisches Vertrauen durch unsere Präsenz in den Kiezen erarbeiten. Drittens müssen wir ein überzeugendes politisches Angebot machen.
Mit meiner Kandidatur verbindet sich außerdem die Überzeugung, dass ein relevanter Anteil der Landesvorstandsmitglieder unabhängig sein sollte von Bezügen aus einem von der Partei vermittelten Amt, Mandat oder Beschäftigungsverhältnis. Erst dies gewährleistet einen gewissen Blick „von außen“ und auch Emanzipation von der Notwendigkeit, Posten und Mandate vergeben zu können.
1. Sozialistische Mitgliederpartei als Strukturidee
Gemeinsam mit Ruben Lehnert habe ich vor zwei Jahren im Landesvorstand die Verantwortung für mein Herzensanliegen, die Mitgliederarbeit übernommen. Es gelang uns, hier einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Wir haben die Mitgliederarbeit des Landesverbandes und der Bezirke gestärkt und sie damit als integralen Bestandteil unserer politischen Praxis etabliert – immer entlang der Leitlinie einer „Mitmachpartei“ durch Ermächtigung der Bezirke und Aktiven sowie des Voneinanderlernens der neueren und der Bestandsmitglieder. Damit wurden unter anderem auch wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Bezirke mit dem aktuellen Mitgliederboom besser zurechtkommen und das wirkmächtige Organisierungswerkzeug Zetkin in der Breite des Landesverbandes nunmehr Verwendung findet. Diese Aufgabe ist ein steter Prozess unserer Weiterentwicklung als eine Organisation, die uns allen gehört. Diesen Prozess möchte ich auch im neuen Landesvorstand fortsetzen – er ist aus meiner Sicht der wichtigste Schlüssel für zukünftige Erfolge.
2. Nah an den Menschen sein als politische Praxis
Unverzichtbarer Bestandteil unserer politischen Praxis muss es sein, dass wir nah an den Menschen sind, und zwar kontinuierlich und insbesondere auch abseits von Wahlkampfzeiten. Hierzu zählen Bürgersprechstunden und konkrete Unterstützungsangebote – „Die Linke hilft“ gilt es zu stärken! Ganz wesentlich gehören für mich aber auch flächendeckende Haustürgespräche dazu, die nicht nur ein wichtiger Erfolgsfaktor für unser Wahlergebnis im Februar waren. Sie ermöglichen es uns, die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen zu erfahren und ihre Anliegen in den politischen Prozess mitzunehmen. Es geht uns aber nicht nur um die Befragung unserer potenziellen Wählerschaft. Wir wollen unsere Nachbarinnen und Nachbarn ermutigen, sich gemeinsam mit uns zu organisieren. So reden wir nicht über „die arbeitende Klasse“, sondern mit ihr, um gemeinsam für unsere Interessen zu kämpfen. Und jeder, der schon einmal an den Haustüren war, weiß nicht nur um das erfüllende Gefühl der Selbstwirksamkeit, sondern kennt auch das verbindende Erlebnis, sich in gemeinsamen Erfahrungen der Entbehrung mit seinem Gegenüber wiederzuerkennen. Wir stehen mit unseren Problemen nie allein da, wir müssen uns nur zusammenschließen. Schließlich ist dies auch wichtiger Baustein einer antifaschistischen Praxis in Berlin wie im ganzen Land, wenn wir der Entfremdung und Verrohung Solidarität und revolutionäre Freundlichkeit entgegensetzen und persönlich erfahrbar machen.
3. Standfest in den Inhalten, klar in der Außenkommunikation
Die Linke wird nur dann den verdienten Zuspruch der Berlinerinnen und Berliner erhalten, wenn sie ein überzeugendes und verlässliches politisches Angebot machen kann. Beispielhaft wird hierzu zwingend die vom Volksentscheid „DWE & Co. enteignen“ vorgezeichnete und von der Expert*innenkommission anschließend empfohlene Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände gehören müssen. Dies wird nicht nur einen substanziellen Beitrag zur Lösung der Mietenkrise als derzeit der sozialen Fragestellung in unserer Stadt leisten. Es haben auch über 59 % der Berliner*innen über alle Parteigrenzen hinweg bis weit hinein in bürgerliche Milieus dieses Anliegen unterstützt. Wir als Partei müssen verhindern, dass hier berechtigte Erwartungen an die demokratische Willensbildung enttäuscht werden. Zugleich wäre die Vergesellschaftung ein wichtiger Schritt, den Menschen den Glauben an die Veränderbarkeit der Zustände auf dem Boden des Grundgesetzes ein Stück weit zurückzugeben. Der Volksentscheid muss umgesetzt werden – hier dürfen wir nicht wackeln.
Die klare Zuspitzung weniger Botschaften entlang sozialer Themen in revolutionärer Freundlichkeit, eine klare antifaschistische Haltung und eine von starken finanziellen und personellen Ressourcen unterlegte, kluge Social-Media-Strategie auf der Höhe der Zeit haben ihren Teil zu unserem herausragenden Ergebnis der Bundestagswahl beigetragen. Aber das beste Social-Media-Handwerk nutzt nichts, wenn wir bei wichtigen Fragen nicht klar kommunizieren: Wir wollen verändern, statt nur regieren!
Ich bin überzeugt: mit einer sozialistischen Mitgliederpartei und einer Praxis nah an den Menschen stellen wir sicher, dass wir nach den nächsten Wahlen unsere inhaltlichen Positionen nicht leichtfertig räumen, sondern wirkliche Verbesserungen für die Menschen erstreiten, die auf unser Wirken angewiesen sind – sei es als Oppositionsführerin, sei es als Senatspartei.
Um diese Perspektive zu stärken und damit auch im neuen Landesvorstand der im Bereich Mitgliederarbeit begonnene Pfad fortgesetzt wird, bitte ich euch, mir erneut eure Unterstützung und euer Vertrauen zu schenken!
Solidarischen Gruß
Hans Kromrey
Zu meiner Person
Ich bin 41 Jahre alt, geboren in Berlin, verheiratet und habe zwei Kinder. In Greifswald habe ich Jura studiert, wo ich 2004-2016 auch studentischer und später wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschungsprojekten zu Menschenrechten im Strafvollzug und zur Sanktionspolitik war und schließlich zum Dr. jur. promoviert wurde. Jetzt bin ich Richter am Landgericht Berlin II, Mitglied der Neuen Richtervereinigung, Co-Sprecher meines Ortsverbandes Karlshorst, Mitglied des Bezirksvorstandes der Linken Lichtenberg und Mitglied des Landesvorstandes der Linken Berlin sowie der LAG Vergesellschaftung und der LAG Die Linke hilft.
