Ongoo Buyanjargal
Kandidatur für den stellvertretenden Landesvorsitz
Liebe Genoss*innen,
vor zwei Jahren wurde ich in den erweiterten Landesvorstand gewählt. Mit großer Dankbarkeit für diesen Vertrauensvorschuss ging ich an die Arbeit. In den zwei Jahren haben wir als Partei und im Landesvorstand einiges meistern müssen und mit viel Herzblut gemeistert. Darunter zwei Wahlwiederholungen und eine Bundestagswahl. Als Mitglied des erweiterten Landesvorstands habe ich mich für die landesweite Etablierung und Professionalisierung von Haustürwahlkampf eingesetzt und daran maßgeblich mitgewirkt. Ich schrieb Konzeptpapiere, Gesprächsleitfäden, stritt um das Wahlkampbudget (weniger Geld in Großflächenplakate, stattdessen mehr Geld in Personal für Haustürwahlkampf) und klopfte letztendlich an vielen Türen und führte viele Gespräche.
Ich bin überzeugt: Im persönlichen Gespräch können wir auf Augenhöhe über die Probleme und Wünsche unserer Nachbar*innen sprechen. Nur im persönlichen Gespräch können wir gemeinsam den Mut fassen, die bestehenden Verhältnisse abzulehnen und für ein besseres Leben zu kämpfen.
Unsere Partei steht an einem Wendepunkt. In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit, eines besorgniserregenden Rechtsrucks und tiefer gesellschaftlicher Entfremdung braucht es eine Linke, die sich erneuert – ohne sich anzupassen. Eine Linke, die in Bewegung ist und sich klar an die Seite der arbeitenden Menschen stellt.
Vor 10 Jahren gründete ich mit meinen Kolleg*innen einen Betriebsrat bei einem US-Start Up. Damals verhandelten wir einen Sozialplan, der den niedrigsten Einkommen die höchsten Abfindungssummen auszahlte, denn sie hatten mehr zu verlieren als das Management. Seitdem bin ich vor allem gewerkschaftlich aktiv. Ich arbeite seit 2019 als betriebliche Organizerin und habe viele Tarifrunden und Streikbewegungen begleitet und unterstützt. Dazu gehören die Tarifrunden des Öffentlichen Dienstes, die Betriebsratswahl bei Ryan Air oder mein persönlicher Höhepunkt – die Berliner Krankenhausbewegung. Als betriebliche Organizerin überzeuge ich Kolleg*innen, dass sie ihr Leben verbessern können und unterstütze sie, ihren Plan-to-win umzusetzen.
In diesen Kampagnen habe ich eindrücklich gelernt, wieviel Macht in den Händen der Kolleg*innen liegt, wenn sie sich entscheiden, sich zu organisieren. Die Flugbegleiter*innen setzen eine Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes durch, die Pflegekräfte erkämpften sich eine Verbesserung der Patient*innenversorgung durch mehr Personal und die Kolleg*innen der Vivantes-Töchter holten sich endlich die Angleichung an den TVöD.
„Wo Menschen Mitbestimmung erleben, sind sie weniger anfällig für rechte Parolen und Ausgrenzung“, heißt es in einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung aus dem Jahr 2023. Dieses Zitat gilt nicht nur für betriebliche Auseinandersetzungen. Wir können eine feste Brandmauer bauen, wenn wir unsere Nachbar*innen überzeugen, dass Verbesserung in ihren und unseren Händen liegt.
Das ist für mich ein zentraler Auftrag: Unsere Partei muss Mitbestimmung ermöglichen und stärken – in der Arbeitswelt, in der Gesellschaft, in der eigenen Organisation. Denn eine starke, demokratisch verankerte Linke ist das beste Mittel gegen rechte Hetze und soziale Spaltung.
Ich kandidiere, weil ich als aktive Gewerkschafterin die Kämpfe der Arbeiter*innen kenne. Wir, Die Linke, müssen dort sein, wo die Menschen leben und arbeiten – im Betrieb, in den Stadtteilen, in den Bewegungen. Nicht nur zuschauen, sondern anpacken. Nicht nur reden, sondern handeln.
Ich bin in Lichtenberg in den 90ern aufgewachsen. Mein Schulweg, sowohl der Weg zur Grundschule als auch später der Weg zum Gymnasium, waren geprägt von rassistischen Anfeindungen. Die Baseballschläger-Jahre habe ich noch gut in Erinnerung. Antirassismus und Antifaschismus sind für mich nicht nur Floskeln. Sondern überlebenswichtig.
Auch deswegen bin ich seit 5 Jahren bei Links*Kanax organisiert.
Ich stehe für eine kämpferische, offene und solidarische Linke, die klare Kante zeigt – nach rechts sowieso, aber auch gegen Sozialabbau, Ausgrenzung und politische Gleichgültigkeit. Die Brandmauer gegen rechts darf kein Lippenbekenntnis sein, sondern muss in jedem Handeln spürbar werden – auch in unseren Bündnissen, in unseren Worten und in unserer politischen Kultur.
Lasst uns gemeinsam Die Linke erneuern – als sozialistische Partei der Arbeiter*innen, der Demokratie und der sozialen Hoffnung.
Ich freue mich auf Eure Unterstützung und den gemeinsamen Weg.
Mit solidarischen Grüßen,
Ongoo
