LV-Beschluss 10-016/25
Baden für alle – Berliner Schwimmbäder retten!
Schwimmen ist Daseinsvorsorge. Doch in Berlin und bundesweit werden Schwimmbäder zunehmend zum Luxusgut – obwohl sie gerade in Zeiten der Klimaerhitzung, wachsender sozialer Ungleichheit und steigender Unfallzahlen im Wasser unverzichtbar sind.
In Berlin fehlen flächendeckend Schwimmflächen, Schwimmkurse und wohnortnahe Freizeitangebote im Wasser. Besonders eklatant ist die Lage in Marzahn-Hellersdorf: Der Bezirk hat bis heute kein eigenes Freibad – obwohl zahlreiche Beschlüsse das fordern und die Bewohner*innen seit Jahrzehnten darauf warten. Stattdessen hat die schwarz-rote Koalition im Zuge ihres Kürzungshaushalts ein bereits geplantes Kombibad gestrichen – und verspricht nur noch eine einfache Halle.
Doch das Problem betrifft die ganze Stadt: Die Berliner Bäderbetriebe kämpfen mit Sanierungsstau, Personalnot und fehlenden Investitionsmitteln. Der Bäderbestand schrumpft – sowohl im Sommer als auch im Winter. Viele Schwimmbäder sind energetisch veraltet, nicht barrierefrei und für ärmere Familien kaum erreichbar. Damit ist Berlin so schlecht mit frei zugänglichen Schwimmbädern ausgestattet wie kaum eine andere Stadt in Deutschland.
Die Linke fordert: Raus aus dem Bädersterben – rein ins Wasser für alle!
Berlin braucht eine mutige Bäderpolitik – sozial, ökologisch, wohnortnah. Wir machen konkrete Vorschläge für eine gerechte, solidarische Wende.
Unsere fünf Punkte zur Rettung der Berliner Schwimmbäder
1. Sanierungsprogramm für Berliner Bäder auflegen – barrierefrei, energieeffizient, sozial
In Anlehnung an das bundesweite Linke-Konzept „SOS-Seepferdchen“ fordern wir:
- ein Berliner Sanierungsprogramm für energetische Modernisierung, Barrierefreiheit und Attraktivitätssteigerung bestehender Bäder,
- einen festen Investitionsanteil im Landeshaushalt, ergänzt durch Bundesmittel (etwa über ein kommunales Bäder-Bonus-Programm) und
- einen besseren Zugang zu Sanierungsförderung für Bäder in einkommensschwachen Bezirken.
Dazu gehört auch die dauerhafte Absicherung der Bäderbetriebe durch einen Bädervertrag mit leistungsgerechter Finanzierung.
2. Rücknahme der Kürzungen – kostenloser Eintritt für Kinder und Jugendliche
Die willkürlichen Kürzungsmaßnahmen das Leistungsangebot für Gäste von Bädern und Saunen müssen zurückgenommen werden. Wir fordern vom Berliner Senat:
- die Zuschüsse für Energiekosten bereitzustellen, damit die Stütztemperatur von 22°C in den Sommerbädern aufrechterhalten werden kann und die Saunen in Hallenbädern wieder geöffnet werden können;
- die Sommersaison in den Bädern über das Ende der Schulferien am 7. September 2025 hinaus zu verlängern;
- das Preissystem zu überarbeiten mit dem Ziel, bisherige soziale Ermäßigungen und Rabatte für treue Nutzer*innen zu erhalten sowie die Einteilung der Bäder in drei Preis-Kategorien zurückzunehmen. Eintritte für die Berliner Bäder sollten nicht abhängig vom Wohnort sein;
- kostenlosen und barrierefreien Eintritt für Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit geringem Einkommen während der Sommerferien einzuführen.
3. Schwimmbäder auf Neubauten ermöglichen – urbane Schwimmbäder als Orte für Alle
Nach Vorbild Wiens („Wohnpark Alterlaa“) fordern wir:
- die verpflichtende Prüfung von gemeinschaftlichen bzw. öffentlichen Schwimmbadnutzungen bei der Planung größerer Neubauwohnungsanlagen
- Initiierung von Modellprojekten mit Schwimmbadnutzung auf Dächern großer Wohnanlagen, kombiniert mit sozialer Infrastruktur und Nachbarschaftstreffs sowie
- Regeln zur inklusiven, barrierefreien und gemeinschaftlichen Nutzung.
Wasserflächen im Quartier fördern Begegnung, Erholung, Nachbarschaft, erhöhen die Wohnqualität im Kiez – und verhindern soziale Kälte im heißen Sommer.
4. Öffnen der Spree für Badestellen
Wer im Berliner Hochsommer nach schneller Abkühlung sucht, muss weit fahren oder lange anstehen. Wir wollen,
- dass die Anstrengungen intensiviert werden, um künftig wieder in der Spree baden zu können;
- dass die Einleitung ungereinigten Wassers in die Berliner Gewässer vermieden wird und unterstützen Projekte, mit denen die Wasserqualität der Spree verbessert werden kann;
- ein tagesaktuelles Prognosesystem einführen, mit dem sich Schwimmer*innen über die aktuelle Wasserqualität informieren können
5. Baden legalisieren, wo möglich – Seen sicher und zugänglich machen
Gerade in Bezirken mit fehlenden Freibädern wie Marzahn-Hellersdorf ist die Nutzung von Seen durch Anwohner*innen Alltag. Wir fordern:
- die Prüfung und Freigabe mindestens eines offiziellen Badeplatzes pro Bezirk – etwa durch Wasserqualitätsprüfungen am Biesdorfer Baggersee;
- Sauberkeits-, Rettungs- und Umweltkonzepte für stark frequentierte Naturbadestellen (z. B. Kaulsdorfer Seen) und
- eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Bezirksämtern, Umweltschutzbehörden und Berliner Bäderbetrieben.
- Entprivatisierung des Zugangs zum Wasser
Schwimmen ist mehr als Freizeit – es ist Sicherheit, Gesundheit, Begegnung und Teilhabe.
Die Berliner Bäder dürfen nicht länger kaputtgespart werden – sondern müssen Teil einer sozialen, solidarischen Stadtpolitik sein.
Die Linke Berlin sagt: Schluss mit dem Bädersterben – Wasser für alle!
