90. Jahrestag Errichtung Zwangslager Marzahn: Antiziganismus in der Gegenwart klar benennen und bekämpfen
Am kommenden Sonntag findet am Otto-Rosenberg-Platz in Marzahn ein Gedenken anlässlich des 90. Jahrestages der Errichtung des Zwangslagers Marzahn statt. Es war das erste rassistisch definierte Zwangslager des nationalsozialistischen Deutschlands, von den Nazis selbst zynisch als „Rastplatz“ bezeichnet. Dorthin wurden im Sommer 1936 im Zuge der olympischen Spiele alle Berliner Roma und Sinti verschleppt, denen die Nazis habhaft werden konnten. Die meisten Gefangenen wurden nach 1942 in Auschwitz ermordet.
Dazu erklären die Landesvorsitzenden der Berliner Linken
Kerstin Wolter:
"Im Sommer 1936 wurden hunderte Berliner Roma und Sinti im Zuge der Olympischen Spiele von den Nazis nach Marzahn deportiert und dort gefangen gehalten. Welche erbärmlichen und menschenunwürdigen Bedingungen dort geherrscht haben müssen, mag man sich kaum vorstellen. Die meisten der Gefangenen wurden später weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet. Dem Porajmos, die Romanes-Bezeichnung für den Völkermord an den Roma und Sinti, fielen insgesamt bis zu 500.000 Menschen zum Opfer.
Am Otto-Rosenberg-Platz erinnert heute die Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn an die grausamen Verbrechen der Nazis. Wir haben großen Respekt und Hochachtung vor dem jahrzehntelangen Engagement der Überlebenden, ihrer Angehörigen sowie der Initiativen und Vereine, die unermüdlich gegen das Vergessen arbeiten. Unsere Stadt hat eine besondere Verantwortung für diesen Ort und dafür, dass Geschehene in Erinnerung zu behalten. Eine Schreckensherrschaft, wie die der Nazis, darf sich niemals wiederholen. Es ist unsere verdammte Pflicht, uns dafür einzusetzen."
und Maximilian Schirmer:
" Wir erleben derzeit jeden Tag, wie wichtig die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Ideologien bleibt. Antiziganistische Vorfälle nehmen massiv zu, laut der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA von 2024 zu 2025 allein um 40 Prozent. Besonders häufig treten Diskriminierungen in Bereichen wie Schule, Verwaltung und im öffentlichen Raum auf. Die Zahlen sind einfach nur erschreckend: Beleidigungen, Bedrohungen oder gar körperliche Übergriffe.
Niemand darf schweigen, wenn Menschen zu Opfern werden. In Berlin leben viele Sinti und Roma, die unterschiedlichen Gruppen müssen in Berlin eine stärkere Stimme bekommen und Betroffene von Antiziganismus mehr Unterstützung.
Wir gedenken des 90. Jahrestag der Errichtung des Zwangslagers in Marzahn und wir trauern um die Ermordeten, die dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fielen. Genauso wichtig, wie die Erinnerung ist es, dass wir Antiziganismus und Rassismus in der Gegenwart klar benennen und bekämpfen. Für ein Berlin und eine Gesellschaft frei von Ausgrenzung."
